Logo


St. Cäcilia – Mater Dolorosa

22. Mai: Ritafest

Gottesdienst mit Krankensalbung

Start  >  Gott und Mensch  >  Gottesdienste für …  >  Kranke – Ritafest

Ritafest

Die Pfarreiengemeinschaft lädt jedes Jahr am Fest der Heiligen Rita (22. Mai) besonders auch kranke Menschen zum Gottesdienst ein. Hier besteht die Möglichkeit, das Sakrament der Krankensalbung in Gemeinschaft zu empfangen. Das Ritafest stammt aus der augustinischen Tradition und wird in St. Cäcilia bereits seit über achtzig Jahren gefeiert.

Die Gemeinschaft der Gottesdienstgemeinde wird anschließend mit einem gemeinsamen Treffen bei Kaffee und Kuchen fortgesetzt.

Rita von Cascia

Statue der Heiligen Rita am Ortseingang mit der Stadt Cascia im Hintergrund
Statue der Heiligen Rita am Ortseingang mit der Stadt Cascia im Hintergrund · Foto: ValnerinaCascia, Cascia e nuova statua Santa Rita, CC BY-SA 4.0

Im 15. Jahrhundert gilt es als ziemlich normal, wenn ein Mann grob mit seiner Partnerin umgeht. Doch wie brutal dieser Ferdinando Mancini regelmäßig seine junge Gattin Margherita (die später den Namen Rita annehmen wird) verprügelt, das entsetzt die Mitbürger im umbrischen Rocca Porena denn doch: Die sanfteste Frau des Dorfes sei mit einem Tier verheiratet, raunen sie empört einander zu.

Laut wagen sie es nicht zu sagen, denn Ferdinando ist jähzornig und stark wie ein Stier. Schuld sind ja ihre Eltern! Sie haben Margherita blutjung gegen ihren Willen mit dem gefühllosen Scheusal verheiratet. 18 Jahre dauert diese Hölle, dann wird Margheritas gewalttätiger Mann ermordet. Ihre Söhne schwören Blutrache, was im Italien des ausgehenden Mittelalters ganz selbstverständlich ist. Doch Margherita tut etwas Unerhörtes: Sie bestürmt Gott, er solle ihre beiden Söhne lieber sterben lassen als erlauben, dass sie neue Blutschuld auf sich laden!

Und was geschieht? Binnen kurzer Zeit sind beide tot. Margheriat tritt in ein Kloster der Augustinerinnen in Cascia, in den Bergen Umbriens, ein, nimmt den Ordensnamen Rita an und führt hier ein außerordentlich strenges Leben. Sie soll mystische Erfahrungen gemacht und das Stigma der Dornenwunde Christi getragen haben. Am 22. Mai 1447 stirbt sie in Cascia. Heute gehört Rita in Italien, Südamerika und auf den Philippinen zu den beliebtesten Volksheiligen.

Ausgesprochen verrückt, so ein Leben. Statt froh zu sein, ihren Haustyrannen endlich los zu sein, opfert Rita auch noch ihre beiden Kinder! Hätte sie nicht einfach die Sachzwänge akzeptieren und der Blutrache zustimmen sollen, die damals völlig normal war? Eben nicht. Die stille, aber über ein unabhängiges Urteil und viel Entschlusskraft verfügende Frau ließ die Sachzwänge nicht gelten. Die Kettenreaktion von Hass und Tod, von Gewalt und Gegengewalt musste endlich durchbrochen werden. Unrecht mit Unrecht zu beantworten, verändert die Verhältnisse nicht. Die Welt wird erst dann neu und hell, wenn sich einer verweigert, radikal, und auf die allzu selbstverständliche Gewalt verzichtet.

Vielleicht ist das der Sinn der wunderschönen Legende, an die heute noch die Weihe der Rita-Rosen an ihrem Festtag erinnert: Mitten im frostkalten Winter soll sie einen Verwandten gebeten haben, ihr eine Rose aus dem Garten zu holen. Und der Mann kam mit einer voll aufgeblühten Rose zurück!

So verändert sich die Welt, wenn sich ein Mensch verändert.

Christian Feldmann – aus: Cantantibus organis. 100 Jahre Cäcilienkirche Regensburg, S. 138/139